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Wie viel Höhensonne braucht's zum Sonnenbrand: Erythem-Dosimeter nach Dr. Keller

Jedes Jahr pünktlich zum Sommeranfang gibt es sie wieder: Hinweise zum Sonnenbaden ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, um das Hautkrebsrisiko nicht zu erhöhen.

Sonnenbaden auf Rezept ist um das Jahr 1900 jedoch keine Seltenheit. Nicht für jeden ist so eine Heliotherapie in Luftkurorten, wie St. Moritz in den Schweizer Alpen möglich. Dorthin werden vor allem Tuberkulose-Patienten geschickt.

Für die ambulante Lichttherapie gibt es Höhensonnen, die sehr helles Licht und UV-Strahlung aussenden. Die Lichttherapie wird bei einer Vielzahl von Krankheiten erfolgreich eingesetzt. Oftmals wird sie Kindern verordnet, die an Rachitis leiden. Rachitis ist eine Störung im Knochenwachstum, was zu deformierten Knochen führen kann. Die regelmäßigen Lichtbäder helfen, die Rachitis zu heilen. Die Behandlung ist aus heutiger Sicht ziemlich brachial. Die Haut wird bestrahlt bis sie rot wird und die Patienten einen Sonnenbrand davontragen.

Doch wie lange müssen die Patienten für eine "wirkungsvolle" Therapie unter die Höhensonne? Und sendet die Höhensonne überhaupt genug der gewünschten UV-Strahlung aus?

Der Dermatologe Dr. Philipp Keller entwickelt Anfang der 1920er Jahre ein Erythm (Rötungs)-Dosimeter. Lichtempfindliche Teststreifen werden unter verschiedenen Filtern mit der Höhensonne bis zur Verfärbung bestrahlt. Mit der Zeit, die für die Verfärbung des Teststreifen nötig ist und der unterschiedlich starken Verfärbung der Teststreifen wird dann aus einer Tabelle die Bestrahlungszeit ermittelt, die für das Rotwerden der Haut benötigt wird. Fachleute sprechen von einer Höhensonneneinheit.

Mittlerweile ist bekannt, dass Rachitis durch Vitamin D-Mangel ausgelöst werden kann. Der Körper kann tatsächlich Vitamin D selber herstellen, wenn man regelmäßig in die Sonne geht. Heute wird Rachitis allerdings mit Vitamin D-Präparaten behandelt. Höhensonnen werden hier nicht mehr eingesetzt. Sie stehen unter Verdacht, die Entstehung von Hautkrebs zu fördern.

Dieses Erythem-Dosimeter stammt aus dem Nachlass von Dr. Otto Nehrkorn (1908-1997). Er war Leiter der Röntgenabteilung der Remscheider Krankenanstalten. Das Dosimeter hat er dem Museum 1957 gestiftet.

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